Marketa Kolarova, Dipl.-Ing.(FH) Ing. & Jessika Lüdenbach, Dipl.-Ing.(FH)
Landschaftsarchitektur, Objektplanung und Fachjournalismus

ein Beitrag zum Wettbewerb:
Was kommt aufs DACH ? Vision Dachlandschaft - Extensivbegrünung mit Anspruch
Gestalterischer Ideenwettbewerb für Studenten und Absolventen
Auslober: Paul Bauder GmbH & Co. KG und Callwey Verlag - Garten + Landschaft
Ausarbeitung: Mai und Juni 2003
"Freiraum muss aneigenbar sein" (Dieter Kienast) - Motto des Beitrags "ein Dach, auf dem der Honig fließt"
Eine Extensivbegrünung verwandelt das Dach eines Gebäudes in einen Freiraum. Es reicht nicht, sich mit einem ökologisch begründeten, mehr oder weniger grünen Bild zufrieden zu geben. Dieser Raum muss den Menschen und Tieren zur Verfügung stehen.
 
Der Wettbewerbsbeitrag beschäftigt sich mit der Möglichkeit, die Dachfläche als eine halböffentliche Grünfläche (Gemeinschaftsgrün) zu nutzen. Parallel dazu wird der ökologische Sinn der Extensivbegrünung gestärkt: Die Auswahl der Pflanzen richtet sich nach der Attraktivität für Insekten, ganze Dachteile werden sogar zur Bienenhaltung verwendet.

Nutzung als Gemeinschaftsfläche
Idee:
- Vermietung der begrünten und als Gemeinschaftsfläche nutzbaren Dachflächen an Bewohner angrenzender Häuser
- Pflege durch die Nutzergemeinschaft
- eine Variante ist die Begrünung durch Nutzer, verbunden mit kostenfreiem Nutzungsrecht für einen vereinbarten Zeitraum
Voraussetzungen:
- geeignete Gebäudekonstellation (nutzbare Flachdächer, die an Wohnbauten angrenzen und für Nutzer zu erschließen sind)
- geeignete Konstruktion des Gebäudes, dessen Dachfläche begrünt und als Gemeinschaftsfläche genutzt werden soll (nicht durchlüftetes Flachdach mit Wärmedämmung auf schwerer Schale oder eine andere Dachkonstruktion, die eine Extensivbegrünung mit entsprechender Lastannahme erlaubt)
Vorteile:
- die Aussicht auf die Vermietung der begrünten Dachflächen bringt den Hausbesitzern einen neuen Anreiz, eine Dachbegrünung anzulegen
- es profitieren die Mieter der Dachflächen, die Vermieter und schließlich auch alle Anwohner der benachbarten Gebäude, die aus ihren Wohnungen einen neuen Blick ins Grüne erhalten
Nutzung zur Bienenhaltung
Idee:
- Extensivbegrünung des Flachdaches mit Bienennährpflanzen und Aufstellung von Bienenstöcken
- interessierte Nutzer der Dachflächen können zu Besitzern der Bienenvölker werden und/oder die Pflege übernehmen
Voraussetzungen:
- ein- bis zweigeschossiges Gebäude (die Möglichkeit des Einsatzes auf mehrgeschossigen Gebäuden ist zu klären)
- ausreichendes Nahrungsangebot (Nektar, Pollen und Wasser) im Flugbereich der Bienen (bei Notwendigkeit bis 1-4 km): Dachbegrünung mit Trachtpflanzen ab 2000 m2 (nach LAMPEITL (2001, 98), 4–5 Ar optimal für 3-4 Völker) und/oder Freiflächennähe mit störungsfreier Überflugtrasse (ohne stark befahrene Straßen u. ä.)
- fach- und artgerechte Aufstellung der Bienenvölker (sonnig, warm, trocken, windgeschützt) ohne Konfliktbereiche (Terrassen, Balkone u. ä.) in der Einflugschleuse
Vorteile:
- ein neuer Aspekt bei der Begrünung von Dachflächen (Beobachten von Insekten, Honigernte)
- geschützte Aufstellung der Bienenstöcke auch in frequentierten (städtischen) Bereichen möglich (im Innenbereich ist jedoch auch auf gutnachbarliche Verhältnisse zu achten)

Konzeptplan vergrößern < Konzept Entwurfsplan vergrößern < Entwurf

Die Ideen der Nutzung begrünter Dachflächen als Gemeinschaftsfläche und der Nutzung zur Bienenhaltung können, wie im Planungsbeispiel gezeigt, kombiniert sowie unabhängig voneinander realisiert werden.
Auch Dächer von Bürogebäuden werden durch dieses Konzept attraktiver. Die Dachflächen dienen als Aufenthaltsbereiche für Mitarbeiter, durch das Insektenleben und die Honigernte bekommen die Pausen auf dem Bürodach eine neue Qualität.
 
Um Nutzungskonflikte zu vermeiden, ist abzuwägen, ob und in welchem Maße auch die Aufenthaltsfläche mit Trachtpflanzen begrünt werden darf. In vielen Fällen wird es ratsam sein, das Dach in mehrere Zonen mit unterschiedlicher Bepflanzung aufzuteilen. Der dem Aufenthalt der Menschen dienende Teil des Daches wird in diesem Fall mit Schmetterlings- oder anderen Insektenpflanzen begrünt, nicht direkt mit Bienennährpflanzen.
Der Konzeptplan beinhaltet eine Tabelle der für Extensivbegrünung geeigneten Trachtpflanzen sowie eine Liste möglicher Schmetterlingspflanzen. Eine beispielhafte Bepflanzung verschiedener Zonen wird im Entwurfsplan gezeigt.
 

Das Dach ist neben der Wiese eine der wenigen Stellen in der Stadt, wo ein Mensch ungestört den Himmel beobachten kann. Sei es ihm ermöglicht, kann er von hier den Wolken, Sternschnuppen, Vögeln oder auch Insekten zusehen.

Jessika Lüdenbach und Marketa Kolarova

[ STADT + NATUR ] [ Hausgärten ] [ Workshops und Wettbewerbe - Titelseite ] [ Archiv ] [ Veröffentlichungen ] [ Journal ] [ Home > Impressum, Kontakt, Werdegang ]