Marketa Kolarova, Dipl.-Ing.(FH) Ing.
Diplomingenieurin Landschaftsarchitektur, freie Objektplanerin und Fachjournalistin

WEIDENBAUTEN
(Teilübersetzung des Artikels Geheimnis des Weidenzaunes, Dùm a zahrada II/2002)
 
Ein einfacher Weidenzaun ergänzt die Einfriedung Ihres Naturgartens.
Sie können auch versuchen, eine unkonventionelle Gartenlaube, einen Kriechtunnel oder ein Indianerhaus für Ihre Kinder zu bauen.
Die Ruten der bei uns häufigen Silber-Weide (Salix alba) eignen sich für unsere Zwecke hervorragend. Diese Weidenart bevorzugt frische, humusreiche und alkalische Böden, ist aber ausreichend anpassungsfähig und überlebt auch auf trockeneren Standorten. Die Stecklinge gewinnen wir aus ein- oder mehrjährigen Ruten ab Ende Oktober bis Anfang März. In der Zeit zwischen Anfang November bis Anfang Mai können wir sie an frostfreien und nicht zu nassen Tagen auch pflanzen.      
Können wir die Stecklinge nicht direkt nach dem Abschneiden verarbeiten, lagern wir sie auf schattigen Stellen, am besten zugedeckt mit Laub oder Reisig. Einjährige Ruten und Ruten, die dünner als 2 cm sind, verkürzen wir unmittelbar vor dem Pflanzen mit einer Gartenschere um ca. 5 cm. Bei mehrjährigen und stärkeren Ruten schälen wir mit einem Spaten oder Messer einen 10 bis 15 cm breiten Band am unteren Rutenende ab. Verzweigte Stellen teilen wir. Die Stecklinge pflanzen wir direkt in die Pflanzstelle in feuchten Boden. Von der Länge des Stecklings ist auch die Pflanztiefe abhängig:
Stecklingslänge
ca. 30 cm
bis 75 cm
bis 165 cm
bis 230 cm
bis 300 cm
bis 400 cm
 

 

 

 

 

 

Pflanztiefe
ca. 20 cm
ca. 30 cm
ca. 40 cm
ca. 50 cm
ca. 60 cm
ca. 70 cm

Eine Arbeitserleichterung erreichen wir durch das Ausheben eines Pflanzgrabens (ca. eine Spatenbreite) der benötigten Tiefe. Für seine Auffüllung benutzen wir den ausgehobenen Boden ohne die obere Grasnarbe. Den Boden um die gepflanzten Stecklinge verdichten wir anschließend mit einem Rundholz. Wenn wir diese Arbeitsanleitung befolgen und die empfohlene Pflanztiefe einhalten, werden die Weidenstecklinge gut gedeihen, und das auch ohne künstliche Bewässerung. Ein ausreichend langer, der Stecklingsgröße angemessener Teil der Ruten ist im Boden gepflanzt, so dass sie im ersten Jahr auch längere Trockenperioden überstehen.

Für den Bau eines einfachen ca. 1 m hohen Weidenzaunes benötigen wir für einen laufenden Meter Zaunes 1 Stück Pfosten (z.B. Rundholz ca. 1,35 m lang), 3 Stück Weidenruten von 1,20 m Länge und 2 - 10 cm Stärke, 3 bis 4 einjährige Weidenstecklinge von ca. 50 cm Länge und 5 Stück Weidenruten (bzw. andere Zweige mit ausreichender Elastizität), die ca. 2 m lang sind. Die Holzpfosten, die das Skelett des Zaunes bilden werden, graben wir in einem Abstand von einem Meter ein Drittel ihrer Länge tief in den Boden. Drei Weidenruten von 1,20 m Länge verteilen wir regelmäßig in jedem Zaunfeld (zwischen 2 Zaunpfosten), die Pflanztiefe sollte ca. 40 cm betragen, so dass 80 cm der Rute aus dem Boden ragt. Da diese Stecklinge überwiegend aus dem oberen Drittel austreiben werden, pflanzen wir zwischen sie noch Stecklinge von ca. 50 cm Länge. Ihr ca. 20 cm langer oberirdischer Teil wird für die Begrünung der unteren Zaunhälfte sorgen. Schließlich flechten wir zwischen die fest eingegrabenen Stecklinge in horizontaler Richtung die 2 m langen Ruten oder Zweige. Diese werden nicht grün, sie stabilisieren die Zaunkonstruktion und verbessern ihr Aussehen. Im ersten Jahr treiben die Weidenstecklinge ca. 50 bis 80 cm lange Triebe aus. Im Herbst nach dem Laubfall biegen wir sie und flechten sie in waagerechter Richtung in alle Teile des Zaunes ein. Wir können sie locker mit einem Bindfaden oder Bast anbinden. Diese Ruten treiben im nächsten Jahr neu aus, unser Zaun wird immer dichter und stabiler. Das Flechten und Anbinden von neuen Trieben setzen wir in den ersten 2 bis 3 Jahren fort. Die Form, Höhe und Breite des Zaunes lassen sich gut durch Schnitt regulieren. Ein Weidenzaun verträgt Schnitt in allen Jahreszeiten.


Die oben beschriebene Bauanleitung ist lediglich eins von vielen möglichen Beispielen der Weideneinzäunung. Die Stecklinge kann man in Bögen (beide Enden in den Boden) oder auch schräg und kreuzweise pflanzen. Auch der Höhe des Zaunes ist keine Grenze gesetzt (außer der natürlichen). Statt eines Zaunes können Sie auch versuchen, eine alternative Gartenlaube zu bauen (siehe Bild rechts). Und wenn sie genug Raum haben und einen Teil des Gartens Ihren Kindern widmen wollen, probieren sie ein paar Weidenbauten für sie zu bauen. Wer als Kind gerne auf der Wiese durch Tunnel aus zusammengebundenen Grashalmen kroch, der wird seinen Kindern Weidentunnel nicht mehr abschlagen können. Vielleicht bleibt noch etwas Platz für ein Indianerhaus?

Marketa Kolarova

     

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