Marketa Kolarova, Dipl.-Ing.(FH) Ing.
Diplomingenieurin Landschaftsarchitektur, freie Objektplanerin und Fachjournalistin

NATURSTEINMAUERN OHNE BETON UND MÖRTEL

Teil 1: Stützmauer nach britischer Art
(erarbeitet nach Publikationen der Dry Stone Walling Association of Great Britain)

"Zehn Baugebote"


Bild rechts:
eine der Trockenmauern im Garten Suchdol, erbaut durch Firma "Zednictví Rada"
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1. Fundament
Das Fundament muss fest und wasserdurchlässig sein, seine Oberfläche eben. Für eine ca. 1 m hohe Stützmauer reichen 20-30 cm Kiessand 0/32 auf einem verdichteten Untergrund.

2. Anlauf / Dossierung
Am stabilsten sind Mauern mit einem Anlauf von 1:6.

3. Hintermauerung / Hinterfüllung
Die Hintermauerung und Hinterfüllung aus kleinen Steinen und Steinsplittern erfolgt lagenweise und zeitgleich mit der Verlegung der Sichtsteine (= des Mauerhauptes). Die Füllsteine werden sorgfältig gestapelt, nicht geschüttet.
     
4. Proportionen
Die Proportionen der Mauer müssen ausgewogen sein, ein kurzer Stein wechselt sich immer mit einem langen ab (siehe Bild rechts). In regelmäßigen Abständen werden so genannte Binder verlegt. Binder sind große Steine, die das Mauerhaupt mit der Hintermauerung verzahnen.

5. Höhe und Breite
Der unterste Teil des Mauerhauptes (= der Mauerfuß) ist am breitesten, nach oben (zu der Mauerkrone) verjüngt sich das Mauerhaupt. Die Breite des Mauerfußes beträgt ca. 1/3 bis 1/2 der endgültigen Mauerhöhe. Auch die Mächtigkeit der Sichtsteine nimmt mit der Mauerhöhe ab. Eine Ausnahme bilden die Binder sowie die Steine der Mauerkrone. Hier benutzen wir große Steine, die die Mauerkonstruktion beschweren.
Die Schichten der Hintermauerung und Hinterfüllung nehmen dagegen mit der Mauerhöhe zu, da das von der Mauer zu stützende Bodenprofil schräg ausgebildet ist.
 
6. Steinlegung
Die Steine legt man nicht zufällig aufeinander, sondern wählt sorgfältig aus. Es sollen regelmäßige und gleichzeitig abwechslungsreiche Schichten ohne Kreuzfugen, durchgehende Stoßfugen und praktisch ohne Zwischenräume entstehen. Alle Steine, die wir für das Mauerhaupt nicht verwenden können, legen wir hinter die Sichtsteine als Hintermauerung.

7. Neigung des Steines
Steine mit einem Dreiecksquerschnitt dürfen nie mit der Neigung nach außen gelegt werden. Sie werden mit Hilfe von keilförmigen Steinbrocken (= Zwickeln) ausgerichtet (siehe Bild rechts) und anschließend mit der nächsten Steinreihe beschwert.



8. Hohlräume
Die Zwischenräume der Mauersteine sind möglichst präzise mit Zwickeln zu füllen (siehe auch Punkt 7), damit keine Hohlräume entstehen.

9. Setzung der Zwickel
Zwickel werden nie von vorne gesetzt oder mit einem Hammer hereingeklopft, früher oder später können diese herausfallen. Hohlräume werden von hinten ausgezwickelt und mit einem schweren Stein beschwert.

10. Binder
Binder verlegt man regelmäßig, ungefähr alle 0,50 m der Mauerhöhe einen. Ca. 25 % der Mauersteine sollten Binder sein. Sie verleihen der Mauer Stabilität. Aus diesem Grund benutzen wir lange und schwere Steine und achten auf ihre Legung und Auszwickelung.

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