Marketa Kolarova, Dipl.-Ing.(FH) Ing.
Diplomingenieurin Landschaftsarchitektur, freie Objektplanerin und Fachjournalistin

MIT MATHEMATIK GEGEN DAS STOLPERN
(eine Teilübersetzung des Artikels Die Treppe hinauf, Dùm a zahrada I/2004)
 
Der Garten ist ein Ort der Erholung, und es wäre Schade, während der Nutzung einer Treppe, die mit Pflanzen umgeben ist, unseren Blick auf die Füße richten zu müssten. Der Gang des Menschen ist eine rhythmische, mehr oder weniger unbewusste Tätigkeit. Die Mehrheit von uns denkt über ihre Schritte bei einem normalen Gang nicht aktiv nach, und im Garten sollte es nicht anders sein.
Eine Gartentreppe muss nicht nur sicher, sondern auch bequem sein.
Die Maße der einzelnen Treppenstufen werden von der Schrittlänge eines erwachsenen Menschen abgeleitet (s = 61 bis 65 cm). Für die Bestimmung eines optimalen Steigungsverhältnisses mit geringstem Energieaufwand gilt eine einfache Steigungsformel: die Addition der Stufentiefe (Auftrittsbreite, a) und der zweifachen Stufenhöhe (Steigung, h) ist gleich der Schrittlänge, also: a + 2h = s. Die Höhe der Gartenstufen sollte zwischen 12 und 16 cm liegen, und ihre Tiefe zwischen 30 und 40 cm. Im Garten haben wir keine Eile und meistens auch genügend Platz (im Vergleich mit einer Schiffskabine). Übliche und bewährte Steigungsverhältnisse (Schrittmaße) sind 12/40 (h/a), 13/38, 14/34, 15/33, 15/34, 16/30, 16/31, in extremen Fällen auch 17/29 oder 18/27.
Allgemein gilt, dass je niedriger (und tiefer) die Stufen sind, desto langsamer steigen wir. Steile Treppen sind kürzer als flache. Für eine Böschung, die 1,20 m hoch ist (siehe Bild 1), brauchen wir z. B. entweder 10 Stufen mit einem Steigungsverhältnis 12/40 oder 8 Stufen 15/34. Im ersten Fall wird die Treppe vier Meter lang, im zweiten nur 2,72 m. Die richtige Lösung hängt von der Neigung der Böschung und der Möglichkeit der Geländemodellierung ab. Das gewählte Steigungsverhältnis sollte dabei für alle Stufen einer Treppe gelten. Jeder, der bereits eine Treppe mit unterschiedlichen Stufenmaßen genutzt hat, weiß, wie schnell es hier zu Stürzen kommen kann.
     

Längere Treppen können in regelmäßigen Abständen von Podesten (Treppenabsätzen) untergliedert werden. Die Länge des Podestes (p) berechnet sich als Addition der n-fachen Schrittlänge (s) und der Tiefe der letzten Stufe (a), also: p = ns + a. Zum Beispiel ein Podest in der Mitte einer 14-stufigen Treppe mit einem Schrittmaß von 16/30 (siehe Bild 2) kann 92 cm (62 + Tiefe der siebten Stufe 30), 154 cm (2 x 62 + 30), 216 cm (3 x 62 + 30) usw. lang sein. Auf einem Podest kann auch eine Richtungsänderung oder Verzweigung der Treppe stattfinden (siehe Bild 3). Die Podestlänge wird in diesem Fall als der kürzeste natürliche Weg (ein Bogen) durch die Mitte der Treppe gemessen.

Die Treppenbreite richtet sich nach dem Raumbedarf für bequemes Steigen (ca. 80 cm für eine Person), nach den konkreten Standortbedingungen und dem konzeptionellen Vorhaben. Eine unregelmäßig oder bogenförmig verlaufende schmale Treppe hat sicherlich ihren Zauber, besonders wenn sie mit Pflanzen umgeben ist und in eine geheimnisvolle Wildnis führt. Stufen mit einer Breite von 120 cm ermöglichen wiederum das Nebeneinandergehen und Begegnen zweier Menschen. Eine noch breitere Treppe (um 200 cm) wirkt großzügiger und erlaubt das Aufstellen von Blumentöpfen und Skulpturen an ihren Rändern. Auch die Notwendigkeit eines Treppengeländers ergibt sich aus dem aktuellen Bedarf. Die Mehrzahl von Treppen ist in einem Garten in die Böschung gelegt, das bedeutet, dass wir im Gegensatz zu einem Interieur nicht in die Tiefe stürzen können. Bei steileren Hängen schadet ein einfaches Geländer in 90 cm Höhe keinesfalls, gegebenenfalls kann diese Funktion eine Brüstung (eine Treppenwange) übernehmen. Bei Gartentreppen, die über einen freien Raum (z. B. über einen Gartenteich) gebaut sind, ist ein Geländer eine funktionale Notwendigkeit.

Die Frage der Fundamente gehört eher in das Gebiet des Bauingenieurwesens.

Einzelne Stufen, die in die Böschung gelegt werden (Knüppelstufen, Stellstufen, einzelne Blockstufen), sowie zwei bis drei zusammenhängend verlegte Stufen können direkt auf verdichteten Untergrund gelegt werden, eventuell (auf bindigen Bodenarten) ist eine Frostschutzschicht vorzusehen (unstarre Gründungen). Schließlich können wir diese Stufen auch einfach nachbessern.

     

Bei längeren Treppen mit mehr als drei zusammenhängenden Stufen sollten wir frostfreie Fundamente (starre Gründungen) bauen. Eine Treppe mit schrägen und gesprungenen Stufen wirkt zwar romantisch, sicher ist sie jedoch nicht. Während Winkel-, Leg- oder Blockstufen aus Stein oder Beton direkt auf Voll-, Streifen- oder Plattenfundamente aus Beton verlegt werden (eine der Möglichkeiten siehe Bild 4), befestigen wir bei einer Holztreppe in den Betonfundamenten lediglich isolierte Pfosten. Nur so bleiben uns in Gegenden mit harten Wintern unangenehme Überraschungen erspart.      

Marketa Kolarova

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